Reihe „Lies, was dich begeistert“: Das KLG – Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

Ein Beitrag von Dr. Jörgen Schäfer

Es war während eines Gesprächs mit einem Dozenten über ein Referat irgendwann am Anfang meines Germanistikstudiums in den späten 1980er Jahren – ich glaube, es ging um Peter Schneiders Erzählung „Lenz“ –, dass ich erstmals auf das „KLG“ hingewiesen wurde: auf das „Kritische Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“. Dort, so der Dozent, sollte ich zunächst einmal nachsehen, um erste Informationen zu Autor und Werk zu erhalten sowie Hinweise auf weitere Sekundärliteratur zu finden.

Beim KLG, so stellte ich fest, handelte es sich zu meiner Überraschung nicht um gebundene Bücher, sondern um eine Loseblattsammlung, die in der Universitätsbibliothek in mehreren roten Ordnern bereitgestellt wurde. Ich war sofort fasziniert von diesen Ordnern, in denen man mit einem Griff alle nur erdenklichen Informationen erhielt, die man sonst stunden- und tagelang in Bibliothekskatalogen und Fachbibliographien hätte suchen müssen.

Das „Kritische Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ wurde 1978 von dem Göttinger Publizisten Heinz Ludwig Arnold begründet, der es bis zu seinem Tod 2011 im Verlag edition text + kritik herausgab, in dem auch die berühmte Autorenreihe „TEXT + KRITIK“ erscheint – auch dies eine Gründung Arnolds. Seit Arnolds Tod wird das KLG von dem inzwischen emeritierten Siegener Germanisten Hermann Korte betreut. Inzwischen umfasst es 13 Ordner und liefert auf mehr als 15.000 Seiten die wichtigsten Informationen zu Leben und Werk von ca. 860 Autorinnen und Autoren.

Mit der Veröffentlichung als Loseblattsammlung nutzten die Herausgeber eine Publikationsform, die insbesondere für ein Nachschlagewerk zur „Gegenwartsliteratur“ bestens geeignet erscheint: Durch drei Nachlieferungen pro Jahr blieb das KLG stets aktuell und nahm damit bereits unter den Bedingungen der ‚Buchkultur‘ vorweg, was erst Jahre später mit elektronischen Fachdatenbanken zum gängigen Standard werden sollte.

Schon frühzeitig hatte Heinz Ludwig Arnold die Gefahren, aber auch die Chancen erkannt, welche das World Wide Web für Nachschlagwerke jeder Art bedeutet. Zum einen entzogen Digitalisierung und Vernetzung dem verlegerischen Geschäftsmodell der laufenden Erweiterung eines gedruckten Lexikons die Grundlage, zum anderen aber ließ sich das in der Konzeption des KLG bereits angelegte Potential eines jederzeit aktuellen Kompendiums unter den veränderten medienhistorischen Bedingungen erst richtig entfalten. Ab 1999 wurde das KLG zunächst auf CD-ROM vertrieben, seit einigen Jahren ist es auch als Online-Datenbank verfügbar – für alle Nutzerinnen und Nutzer der Universitätsbibliothek Siegen natürlich kostenfrei!

Nach wie vor stellt das KLG die beste und nun unglaublich leicht zugängliche Informationsquelle zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur bereit – und zwar in einer durch die fachliche Expertise der Autorinnen und Autoren seit Jahrzehnten gesicherten Qualität und Vollständigkeit, mit denen weder irgendein anderes Autorenlexikon noch Wikipedia und vergleichbare Unternehmen auch nur ansatzweise konkurrieren können.

Dr. Jörgen Schäfer, Fakultät I der Universität Siegen: Germanistisches Seminar

Webseite: http://www.uni-siegen.de/phil/germanistik/mitarbeiter/schaefer_joergen/?lang=de

 

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